23. November 2020

Eine gute Woche! Ihr wisst, wir erleben hier gerade keine großen Expat-Abenteuer (vielleicht stecken wir aber auch mittendrin im allergrößten…), deshalb berichte ich gerade „nur“ von unserem Expat-Alltag. Unserem Alltag zu Zeiten von Corona.


Nach wie vor organisieren wir uns und unser Leben hier in einem sehr kleinen Radius. Ich versuche, mit den Kids ein paar Ausflüge in der näheren Umgebung zu unternehmen und Verabredungen zu organisieren, um mal rauszukommen, etwas anderes als unser Compound zu sehen und um zumindest hin und wieder andere Kids um sich zu haben als das Geschwisterkind.

Diese Woche startete für uns mit einem Ausflug zum Erdbeerfeld. Ja, die gibt’s hier. Und tatsächlich war das Erlebnis ein ganz ähnliches wie in Deutschland (zumindest, wenn man die Kulisse ausblendete). Die Preise waren es übrigens auch, jeder Kuai davon war aber super angelegt: Die Kinder hatten wahnsinnig Spaß, ihre Körbe zu füllen und die Ausbeute ihrer Arbeit untereinander zu vergleichen. Die Hälfte der gepflückten Erdbeeren landete natürlich gar nicht erst im Korb, sondern gleich im Bauch. Bio waren die zwar sicher nicht, aber pingelig darf man in China eben nicht sein. Zurück zu Hause waren wir damit beschäftigt, die Erdbeeren zu putzen, zu sortieren, zu schnippeln und zu wiegen. Und unsere Marmeladenvorräte sind auch wieder aufgefüllt.

Was ebenso anstand war ein Besuch der nächsten Mall. Der Sommer kommt mit großen Schritten und die kurzen Hosen der letzten Saison passen den Kids natürlich nicht mehr um den mit Erdbeereis gefüllten Bauch. Die Einkaufszentren sind wieder geöffnet und die Menschenmassen erinnern sehr an Vor-Corona-Zeiten, Social Distancing gibt‘s hier nämlich so gar nicht. Vieles fühlt schon wieder sehr normal an; auch, weil der Mundschutz hier ja eh zum Straßenbild gehört. Zurzeit sind die verpflichtend zu tragen, aber das klappt sogar bei den Kindern problemlos. Wenn Jonah sie sich doch mal runterreißt, kommt gleich ein Chinese ums Eck, der darauf dann streng hinweist – soziale Kontrolle funktioniert hier echt einwandfrei. Als Ausländer wirst du momentan (zumindest gefühlt) noch ein bisschen mehr beäugt. Alle neuen Corona-Fälle in Shanghai (und das sind inzwischen den offiziellen Kanälen zufolge täglich null oder mal einer) sind sogenannte „imported cases“. Weil Ausländer seit einigen Wochen ja aber nicht nach China einreisen dürfen, gehen diese Fälle auf Rückkehrer zurück, Chinesen, die im Ausland leben und wegen der Krise nun hierher zurück in kommen. Trotzdem scheint die unterschwellige Skepsis gegenüber Ausländern bei einigen hier gerade zuzunehmen. Zugegeben: Das ist ein rein subjektiver Eindruck und trifft natürlich nicht auf alle zu!

Die Chinesen sind nämlich sehr stolz darauf, wie sie die Krise hier bewältigt haben und blicken ein wenig mitfühlend (oder verächtlich) auf das Krisenmanagement mancher Länder. Es bleibt abzuwarten, ob sie Recht behalten. Die täglich nachzulesenden neuen Infektionszahlen sind in Shanghai zumindest inzwischen im einstelligen Bereich pro Tag. Vereinzelte Fälle. Das gibt uns ein Gefühl der Sicherheit, wenn wir uns in der Stadt bewegen, denn das geht inzwischen schon wieder echt problemlos.

Kleinigkeiten erinnern daran, dass Corona auch hier noch vor wenigen Wochen zum kompletten Stillstand geführt hat. An der mit Folie abgetrennten
Rücksitzbank im Taxi. Am Desinfektionsmittel, das überall, in jedem Laden, jedem Kiosk herumsteht. Und am Health-QR-Code auf dem Handy, der in Restaurants, Malls und anderen Einrichtungen vorgezeigt werden muss. Als Zutrittsvoraussetzung, zusammen mit der noch immer überall gegenwärtigen Fieberkontrolle. Wie sehr beides inzwischen schon zur normalen Routine gehört, erkennt man besonders an den Kindern, die das Handgelenk zum Messen ungefragt hinhalten und sich die Masken so selbstverständlich wie ihre Schuhe schnappen, wann immer sie zur Tür rausgehen. Das Leben hier fühlt sich also schon wieder recht normal an. Und das wiederum fühlt sich wahnsinnig gut an.

 

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