23. November 2020

Seit mittlerweile 12 Wochen leben die Kinder (und ich!) nun ohne Kindergarten. Und der fehlt uns allen sehr. Die zwei vermissen den Austausch mit anderen Kindern; etwas, das wir inzwischen immerhin wieder mit der einen oder anderen Verabredung ermöglichen können, obwohl viele ihrer Freunde noch in Deutschland „festhängen“ und drei kurze Stunden am Nachmittag natürlich nicht dasselbe sind wie die Anregungen, die das Kita-Programm bietet. Das Leben, es ist gerad ein anderes. Ein bisschen fremd ist es uns auch. Aber wir machen das Beste draus – wie wohl jeder derzeit, ob er nun in China, Deutschland oder Amerika auf das „richtige“ Leben wartet. Zur Wahrheit gehört auch: Es gibt bessere und schlechtere Tage

Es gibt die Tage, an denen ich morgens aufwache, mit zwei Kindern neben mir, die sich freudestrahlend mit Küssen einen Guten Morgen wünschen, die motiviert jede Bastelidee umsetzen, zwischendurch mal selig und ruhig gemeinsame für eine Stunde im Zimmer verschwinden und dann noch abends den Tisch eindecken.

Und es gibt Tage, da wache ich morgens auf und weiß schon: Das wird heute nix. Streit schon beim Anziehen, das Frühstück schmeckt auch nicht, keine Lust auf den kleinen Bruder, denn „der ist so doof“ und quälende Langeweile, weil alle meine Ideen natürlich blöd sind und nur Augenrollen hervorrufen. Und wenn ich denke, das sei doch dann auch echt genug Stress, Ärger und Chaos für den Tag und er dürfte gerne jetzt gleich enden, merke ich, dass die Uhr gerad mal halb zwölf anzeigt.

Ich will mich gar nicht beschweren, denn natürlich jammere ich auf hohem Niveau. Andererseits haben all die blöden Momente (und gemessen an der Situation und daran, wie lange wir hier bereits mit ihr leben sind das tatsächlich gar nicht so viele) und die damit verbundenen Gedanken ihre Berechtigung. Und raus lassen ist wichtig.

Ich hatte mich sehr auf dieses Jahr gefreut. Endlich so ganz, ganz richtig im Alltagsleben in Shanghai angekommen. Die Kinder glücklich eingewöhnt im Kindergarten, keine wahnsinnig zeitraubende Hochzeitsplanungen mehr, nur noch Zeit fürs Schreiben. Fürs sich Gedanken-Machen. Darüber, was hier vielleicht noch so geht für mich. Außerdem: So viele geplante Reisen. Harbin im Februar war schon mal nix. Unsere Neuseelandpläne hat Corona auch bereits durchkreuzt; da wären wir nämlich jetzt gerade. Mal sehen, was mit Guilin, Japan und der Heimreise nach Deutschland im Sommer ist. Zurzeit scheint mir alles ziemlich unrealistisch.

Aber vorangehen soll es ja trotzdem. Und wenn es auch gerade nicht allzu viel zu berichten gibt, dann doch wenigstens aus unserem Corona-Leben. Von den Entwicklungen hier in China, von unserem Familienleben 24/7, davon, wie wir da gerade rausholen, was rauszuholen ist. Und wenn die Kids mich lassen (und wenn der DVD-Player verlässlich funktioniert), komm ich ja vielleicht sogar dazu, andere allgemeine Themen nochmal aufzuarbeiten. Also starten wir mal unsere eigene kleine Serie: „Die Liebe in den Zeiten von Corona“ sozusagen. Denn ehrlich, Leute, bei all den schlechten Nachrichten, den Unsicherheiten, den Einschränkungen, die uns allen so zu schaffen machen – glücklich sind wir, die wir unsere Lieben gesund um uns haben, keine Existenzängste haben müssen und für die der ausgefallene Urlaub das Schlimmste an der Krise ist.

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