23. November 2020

Vor rund einer Woche sind wir in Shanghai gelandet. Und ich sag euch, ich brauchte diese Woche, um klar zu kommen. Zuerst einmal mit Bergen Wäsche aus Bergen Koffern. Mit Auspacken und Ankommen. Mit den Kids, die durch die anstrengende Reise und die folgende Quarantäne-Überraschung völlig im Jetlag waren. Auch damit, alles ein bisschen sacken zu lassen: Das Abgeholtwerden mitten in der Nacht. Das Vegetieren auf 15qm, mit zwei Kindern, die einfach nur raus wollten und rennen. Die Unsicherheit, ob nun einer der Fieber-Passagiere positiv getestet wird und was das dann für uns bedeutet. Und ich brauchte diese Woche, um zu erkennen, was um uns herum alles passierte.

Was uns diese Zeit gelehrt hat? Es gibt ihn, diesen Zusammenhalt, den viele gerade so beschwören. Unsere Freunde hier in Shanghai haben uns in der staatlichen Quarantäne mit Essen und anderen Dingen versorgt und ganz praktisch unterstützt. Sie haben uns das Gefühl gegeben, dass jemand da ist und sich um uns kümmert. Unsere Lieben in Deutschland haben sich um uns gesorgt, sich gemeldet, nachgefragt und zugehört. Mehr konnten sie nicht machen und so sehr viele das bedauerten, so gut getan hat uns jedes einzelne „Wie geht es euch heute?“. Zeiten wie diese zeigen, wie eng das soziale Netz ist, das einen auffangen kann und einmal mehr zu merken, aus wie vielen Maschen unser Netz geknüpft ist, ist ein großes Glück.

Was aber ebenso schön war: Unsere kleine Expat-Community im Compound kochte, backte, sammelte Spielzeug. Einige Menschen darunter kennen wir nicht einmal persönlich. An unserem ersten Tag wieder zu Hause kamen unsere chinesischen Nachbarn mit Obstvorräten vorbei, die für sechs Wochen halten würden. (Jetzt muss ich wohl doch mal einkochen lernen!) Und während wir unsere restlichen Quarantäne-Tage nun entspannt zu Hause verbringen und uns auf die Freiheit danach und den Frühling in Shanghais wilden, schönen, aufregenden Ecken freuen, überschlagen sich die Meldungen aus Deutschland.

Seid euch sicher: Wir denken an euch! An unsere Familien, unsere Freunde in Deutschland, den USA, in Spanien oder wo immer sie (gerade) leben. Wir wünschen euch, dass der Zusammenhalt dort im Großen so funktioniert, wie wir ihn hier gerade im Kleinen erleben. Dass ihr das Beste aus der Situation macht. Und denen helft, die wie wir in der letzten Woche, auf ein wenig Hilfe angewiesen sind.

Was die letzte Zeit uns außerdem gelehrt hat: Alles ist zu schaffen, solange wir vier zusammen sind. Vier Tage staatliche Quarantäne sind sicher nicht der Weltuntergang. Nicht mal beinahe. Mit einer Woche Abstand betrachtet bietet die Zeit sogar jede Menge Anekdoten. Trotzdem waren wir überrumpelt, die Kinder verängstigt und wir allesamt ratlos, wie es weitergehen würde. Ich bin dennoch froh, geflogen und nun zu Hause und als Familie zusammen zu sein. Das können alle diejenigen, die zur Zeit ihre sozialen Kontakte auf das Minimum zurückschrauben hoffentlich auch bald wieder.

Bis es soweit ist: Stay strong! And stay home!

 

 

 

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