19. September 2020

Der Sommer ist da! Wann ist denn das passiert? Irgendwie sind die vergangenen Monate so an mir vorbeigezogen… Zäh wie Kaugummi einerseits, wie im Zeitraffer andererseits. Und zack sind’s 30 Grad. Und wir eröffnen die Poolsaison. Anders sind die Sommer in Shanghai übrigens auch nicht zu ertragen – schon gar nicht für Sommermuffel wie mich. Ich kann einfach nicht aus meiner Haut, ich liebe Schmuddelwetter und graue Winter. Die Kinder aber freuen sich wie Bolle. Aufs Schwimmen. Aufs Tauchen. Auf jede Menge Eis. Das alles am besten jeden Tag. Hitze hin, Schwüle her – ich bin dabei! Mit den zwei Wilden mach ich alles.

Hier herrscht Badekappen-Pflicht. Der Preis für die ersehnte Abkühlung.

Und wir müssen es nutzen, so lange es geht. Schließlich erwartet uns noch der Pflaumenregen. Es gibt im Sommer hier Tage, an denen es schüttet. Wie aus Gießkannen schüttet. Und das ist kein warmer Sommerregen, sondern verbunden mit trüben, kalten Tagen. Die dann aber von einem Tag auf den anderen abgelöst werden von jenem subtropischen Klima, das  die Schweißperlen auf die Stirn treibt.

Denn im Juli, spätestens im August, erreicht das Thermometer hier täglich locker die 35 Grad, gepaart mit einer Luftfeuchtigkeit von 80%, die dich frühmorgens schon zerfließen lässt. Dann wollen selbst die Kinder allenfalls abends um sieben nochmal ins Wasser springen. Dieses Jahr kam der Sommer ein wenig verspätet (im letzten Jahr hatten wir die 30 Grad-Marke schon im April geknackt). Das war aber nicht nur ein wenig erholsamer, es war auch ein Glück, denn wegen Corona hat der Pool in unserem Compound am Samstag erst geöffnet.

Das ist er, der Jiu Shi-Pool. Lässt sich schon aushalten da.

An den vereinzelten heißen Tagen im Frühjahr hat den Mäusen das Planschbecken für die Füße also noch gereicht. Und das haben wir dieses Jahr auf den Balkon umgezogen, denn der Garten ist inzwischen keine allzu gute Idee mehr. So verrückt es klingt, aber Gärten sind im Sommer hier verwaist. Und das nicht nur wegen des Klimas. Es gibt nämlich noch ein zweites Manko am Shanghaier Sommer: Mücken. Tigermücken. Überall sind die. Ganz besonders gerne natürlich im hohen Gras und an stehenden Gewässern. Beides gibt’s hier endlos – unser Compound ist damit ein wahres Mücken-Paradies. Aber auch sonst ist man nicht vor ihnen sicher Und obwohl die Supermarktregale hier voll sind mit Mückenschutz aller Art, von Sprays über Lampen, Duftpatches für die Kleidung, Räucherspiralen,  bis hin zu elektrischen Tennisschlägern, mit denen man wild um sich fuchteln kann, haben wir noch kein wirksames Mittel gefunden. Fünf Minuten vom Shop nach Hause gehen bedeuten mindestens fünf neue Stiche.

Man muss also kein Sommer-Muffel sein, um diese Jahreszeit hier als anstrengend zu empfinden. Das ist nicht zuletzt ein Grund, warum so viele in den Sommerferien aus der Stadt fliehen. Wenn man mutig ist und bleibt, wird man dafür belohnt mit einer Stadt im “Sommerschlaf”, mit Ruhe, mit weniger Hektik, mit Ecken, in denen man diese wilde Stadt ganz für sich alleine hat. Das hat ja auch was für sich. Und da sieht dann auch niemand, wie einem gerade der dritte Liter Schweiß den Rücken runterläuft…

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