19. September 2020

Ihr habt es mitbekommen – seit gestern spielt hier Urlaub wieder eine Rolle. Besser gesagt, die Planung einer China-Reise in diesen turbulenten Zeiten. Da hab ich doch fix nochmal gelinst, was hier an Reiseberichten noch fehlt und mir kam einer unserer Kurz-Trips in den Kopf.

Wir waren letzten Sommer in Moganshan. Diese Kleinstadt gehört nicht unbedingt zu den klassischen China-Zielen. Sie ist allerdings ein Klassiker für Shanghai-Expats, wann immer es sie raus aus der Stadt zieht. Moganshan liegt nämlich mitten in einem Nationalpark, ist nicht weit weg und eignet sich somit für einen kleinen Ausflug. Also – muss man dahin? Nö. Aber schaden tut’s halt auch nicht. Tut’s ja nie. Und es ist immer gut, der Shanghai-Blase mal zu entkommen. Darin machen wir es uns ja eh oft viel zu gemütlich…

 

Wenn man also hinfährt, für wie lange sollte man das machen? Wir waren ein langes Wochenende im letzten August dort und das war genau richtig. Moganshan hat nicht unzählige Hotspots, die abzuklappern lange dauern würde. Vielmehr geht es darum, Natur zu erleben. Wandern ist ganz toll da! Bambuswälder gibt’s und Tee-Felder. Architektonisch ist die Gegend durch alte Steinhäuser und europäisch anmutende Villen geprägt, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden. Damals war Moganshan eine Art Retreat für die Kolonialmächte. Mit dem Aufstieg der Kommunistischen Partei wurde es in der Mitte des letzten Jahrhunderts dann zur Sommerresidenz von Parteikadern naheliegender Städte wie Shanghai und Hangzhou. Es ist schon wirklich sehr pittoresk. Wir haben allerdings ein Wochenende erwischt, an dem der Monsun wütete, zumindest an dem einen Tag.

 

Deswegen kamen auch nicht allzu viele andere auf die Idee, gerade dann dort ihre Zeit zu verbringen. Was wiederum ein großer Vorteil für uns war, weil auch an den beiden anderen, den trockenen Tagen, nirgends Menschenmassen warteten. Zwar hatte ein Aussichtspunkt wegen der verwüsteten Zufahrtsstraße geschlossen. Dafür hat es uns stattdessen zum Gaofeng Tempel verschlagen, dessen Besuch sehr besonders für uns war. Nicht, weil er sich auf den ersten Blick von den vielen Tempeln unterscheiden würde, die wir während unserer China-Zeit bereits besuchen durften. Sondern wegen der Begegnung mit den Mönchen. Die waren so herzlich mit den Kindern, nahmen sie an die Hand und zeigten ihnen die Gebetshalle mit den großen Buddha-Statuen, bevor sie mit dem Beten begannen. Die Kinder waren wirklich ehrfürchtig. Ich glaube, sie haben gemerkt, dass das etwas Besonderes war. Ich jedenfalls hab ihn sehr genossen, diesen Moment der Stille, den wir mit diesen Menschen teilen durften.

 

Was die Unterbringung betrifft, gibt es Hotels in allen Preiskategorien. Wir waren mit Freunden in einem kleinen Hotel, in dem niemand englisch sprach. Das ist außerhalb der großen Städte und abseits internationaler Hotelketten üblich. Mithilfe der WeChat-Übersetzungsfunktion, mit der auf dem schnell gemachten Foto etwa von der Speisekarte die englische Übersetzung direkt eingefügt wird, war es uns größtenteils möglich, Essen zu bestellen, das für den europäischen Gaumen geeignet war. Zum Glück, denn beim blinden Draufzeigen wird die Essensbestellung schon auch mal zum Roulette. Wir hätten auch bei eher speziellen chinesischen Spezialitäten enden können und krass experimentierfreudig bin ich in Sachen Hühnerfuß und Fröschen leider nicht. Ansonsten war es wie immer: Die Chinesen bemühen sich sehr um ihre Gäste und die Kinder waren – wie sollte es anders sein – der Türöffner zu so manchem Extra. Nachdem wir den Kindern zwei Tage lang das mitgebrachte Toastbrot zum Frühstück servierten, weil meine zwei Raketen beim Anblick von Reispudding und Jaozi einen Blick aufsetzten als sollten sie vergiftet werden, stand an Tag drei plötzlich ein Toaster am Buffet. Und Cornflakes. Einen Pool gab’s übrigens auch, den wir am Anreisetag während eines eher moderat ausfallenden Monsunschauers nutzten. Schwimmmöglichkeiten sind für uns bei der Hotelwahl inzwischen echt ein Muss und ein Entgegenkommen für die Kinder, die in jedes Museum mitkommen, solange sie Aussicht auf den darauf folgenden Poolbesuch haben.

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